Wenn die Diagnose Krebs gestellt wurde verspüren viele Menschen das Bedürfnis noch zusätzlich zu den konventionellen Therapien mit komplementären Behandlungsverfahren (d.h. ergänzend zur Schulmedizin) selbst einen Beitrag zur Kräftigung Ihres Organismus und so zur Bekämpfung der Krebserkrankung zu leisten. Im folgenden haben wir für Sie eine kurze Übersicht der populärsten komplementären Therapien zusammengestellt.

Eindeutig nachgewiesen ist, dass Sport und Bewegung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Nordic walking kann zum Beispiel zu einer Reduktion von Fatigue (Erschöpfungszustand, Müdigkeit) führen sowie zu einer verbesserten Beweglichkeit. empfohlen werden (etwa 3-5 x moderates Ausdauertraining pro Woche für mindestens 30 Minuten). Es konnte ebenfalls gezeigt werden, dass durch regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko für ein Wiederauftreten der Brustkrebserkrankung um mehr als 20% gesenkt werden konnte. Yoga kann ebenfalls zu Verbesserung von Schlaf und Lebensqualität beitragen. Angst, Depression und Stress können reduziert werden. Optimalerweise sollte eine Kombination aus Audauer- und Krafttraining erfolgen.

Eine abwechslungsreiche, pflanzenreiche und fettarme Kost (Mittelmeerdiät) ohne spezielle Einschränkungen, die neben Vitaminen und Coenzymen auch Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe in natürlichen, ausgewogenen Konzentrationen enthält wirkt sich ebenfalls positiv auf den Organismus aus. Der Vitaminbedarf sollte durch mehrere kleine, über den Tag verteilte Mengen Obst oder Gemüse gedeckt werden. Studien haben ergeben, dass dies sinnvoller ist als eine gezielte Supplementierung mit einzelnen oder kombinierten Vitaminen. Diät-Extreme sollten ebenfalls vermieden werden.

Anstreben eines normalen Body-Mass-Index verbessert die Prognose der Krebserkrankung. Der angestrebte BMI sollte bei betroffenen Frauen im Intervall von 18,5 bis 25 kg/m² liegen. Aber auch jede geringere Reduzierung eines sehr hohen BMI bringt bereits einen positiven Effekt, der sich natürlich auch auf das allgemeine Wohlbefinden auswirkt.

Mistellektine werden aus der Mistelpflanze gewonnen. Es sind hier zwei verschiedene Therapieansätze zu unterscheiden: Zum einen der lektinnormierte (in Studien nachgewiesene) und der anthroposophische Ansatz (nicht mit Studien belegt). Aktuell werden drei mögliche Wirkmechanismen diskutiert. Die Aktivierung des Immunsystems, das direkte Abtöten von Krebszellen (Apoptose) sowie eine Endorphinausschüttung. In verschiedenen Studien konnte eine Verbesserung der Lebensqualität unter Misteltherapie nachgewiesen werden. Es kam zu verminderten Auftreten von Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit unter Chemotherapie sowie zu einem verbesserten allgemeinen Wohlbefinden, und einer verbesserten Konzentrationsfähigkeit.

Das im Grünen Tee enthaltene Molekül Catechin hat in Untersuchungen Hinweise für eine krebshemmende Wirkung ergeben.
Bevorzugt wird dabei der japanische Grünen Tee (first flush=erste Pflückung), der über den Tag verteilt, getrunken werden kann.
Um das Catechin nicht zu zerstören, darf er jedoch nur mit 80° warmen Wasser aufgebrüht werden.

Ist ein wichtiges Spurenelement und Antioxidans. Es findet sich in Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchten, Pilzen, Nüssen und Weizen. In einer Studie konnten positive Effekte wie verminderte Nebenwirkungen unter Chemotherapie beim Ovarialkarzinom sowie eine verbessertes Allgemeinbefinden sowie ein verminderter Haarverlust under Chemotherapie nachgewiesen werden. Die Datenlage ist jedoch auf Grund weiterer Studien nicht eindeutig. Daher sollte eine Supplementation nur bei nachgewiesenem Selenmangel erfolgen. Bei Überdosierung kann es sogar zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen (Selenose).

(Mindfulness-Based Stress Reduction) ist eine Methode die Hilfestellungen anbietet, einen liebevollen Umgang mit sich selbst und dem Leben zu lernen. Hierduch kann sich die Lebensqualität verbessern, dem Patienten werden Bewältigungsstrategien gezeigt. Stress und Depression können reduziert werden.

kann Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie lindern sowie postoperative Schmerzen und Fatigue verringern.

Durch Homöopathie lassen sich die unangenehmen Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie lindern. Zum Beispiel kann durch Anwendung von Calendula Crème (>20% Calendulaanteil) einer akuten Dermatitis (Entzündung der Haut) unter Strahlentherapie vorgebeugt werden. Außerdem können Unerwünschte Effekte auf den Magen-Darm-Trakt wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, reduziert werden. Traumeel S Mundspülung kann bei chemotherapieinduzierter Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut) Linderung verschaffen. Das wichtigste Ziel der Homöopathie ist die Stärkung der Konstitution, die sich in einer Verbesserung von Lebensqualität bzw. subjektiver Befindlichkeit äußert.

In einer Studie konnte belegt werden, dass die Gabe von Thymuspeptiden (Thymosin α(1)) eine Verbesserung der Lebensqualität und Verringerung der Infektanfälligkeit unter Chemotherapie bewirkt, sowie eine Verringerung der Rezidivrate (Rückfall) und eine Überlebensverlängerung.

Untersuchungen ergaben einen positiven Einfluss von Cimcifuga racemosa auf die Anzahl und Intensität der Hitzewallungen bei Mammakarzinom Patientinnen unter Tamoxifen-Therapie sowie auf eine Verbesserung der Lebensqualität. Ein längerer Einnahmezeitraum scheint hier jedoch wichtig zu sein.

 

 

Abschließend kann festgehalten werden, dass in Bezug auf komplementäre Therapien zur Behandlung einer Krebserkrankung keine eindeutige Datenlage vorhanden ist. Es ist daher dringend vor einer unkritischen Anwendung zu warnen, zumindest wenn dabei gesicherte Basiserkenntnisse der Schulmedizin mißachtet werden. Ungenügend wissenschaftliche Beweise bestehen insbesondere für hochdosierte Vitamingaben. Wenn nicht nachgewiesene Vitaminmangel vorliegen, kann eine Supplementation auf Grund von möglichen Nebenwirkungen derzeit nicht empfohlen werden. Bei Phytoöstrogenen kann ein negativer Effekt auf die Krebserkrankung nicht ausgeschlossen werden. Weitere Forschungsergebnisse zu diesem Thema sind abzuwarten.

Die komplementären Behandlungsschritte fügen sich idealerweise in die schulmedizinischen Maßnahmen ein. Insofern ist es wichtig, dass der koordinierende Arzt über solche Maßnahmen informiert ist.

Autor:

Julia Schümann, Assistenzärztin der Frauenklinik

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